10. August 2026

IT-Administrator testet Thinfinity Workspace 8.5 – warum moderne Remote-Access-Lösungen heute mehr können müssen als VPN

Wer sich mit sicheren Fernzugriffslösungen beschäftigt, findet selten wirklich neutrale und technisch fundierte Produkttests. Umso erfreulicher ist der ausführliche Praxistest von Thinfinity Workspace 8.5 in der August-Ausgabe 2026 des IT-Administrator. Der Autor beschreibt detailliert die Architektur, Installation und den praktischen Einsatz der Plattform und kommt zu einem insgesamt sehr positiven Fazit. Besonders hervorgehoben werden die browserbasierte Arbeitsweise, die moderne Sicherheitsarchitektur sowie die hohe Flexibilität der Lösung.

Dieser Test ist aber weit mehr als eine Produktbewertung. Er zeigt sehr deutlich, wohin sich der Markt für sicheren Remote Access entwickelt – und warum klassische VPN-Lösungen zunehmend an ihre Grenzen stoßen.

Browser statt VPN wird zum neuen Standard

Noch vor wenigen Jahren bestand sicherer Fernzugriff meist aus einem VPN-Client, Firewall-Regeln und möglichst vielen geöffneten Ausnahmen. Heute verfolgen moderne Lösungen einen völlig anderen Ansatz.

Der IT-Administrator beschreibt eine Architektur, bei der sämtliche Zugriffe über einen HTML5-fähigen Browser erfolgen. Auf den Endgeräten ist keine spezielle Clientsoftware mehr erforderlich. Stattdessen übernimmt ein Gateway die sichere Vermittlung der Verbindungen, während die eigentlichen Zielsysteme vollständig im internen Netzwerk verbleiben.

Genau dieser Paradigmenwechsel ist inzwischen in vielen Unternehmen zu beobachten. Anwender erwarten heute, dass sie unabhängig vom verwendeten Gerät sofort arbeiten können – egal ob Windows-PC, Mac, Linux oder Chromebook.

Zero Trust beginnt nicht mit Marketing

Der Begriff „Zero Trust“ wird inzwischen von nahezu jedem Hersteller verwendet. Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch erst durch die technische Umsetzung.

Im Test wird eine Architektur beschrieben, bei der die Systeme im internen Netzwerk ausschließlich ausgehende Verbindungen zum Gateway aufbauen. Eingehende Firewall-Freigaben in den Zielnetzen sind nicht erforderlich. Die Kommunikation erfolgt durchgängig verschlüsselt über TLS 1.3. Das Gateway selbst speichert keine Sitzungsdaten und arbeitet als Reverse Proxy.

Genau solche Konzepte reduzieren die Angriffsfläche erheblich und entsprechen den Anforderungen moderner Sicherheitsarchitekturen.

Legacy-Anwendungen bleiben Realität

Besonders interessant ist die Feststellung des Autors, dass Unternehmen ihre bestehenden Windows-Anwendungen, Terminalserver, Linux-Systeme oder Hostsysteme auch in den kommenden Jahren weiter betreiben werden. Nicht jede Anwendung lässt sich kurzfristig in eine Cloud-Anwendung umwandeln oder durch SaaS ersetzen. Gerade diese gewachsenen Infrastrukturen benötigen sichere und gleichzeitig unkomplizierte Zugriffsmöglichkeiten.

Diese Einschätzung teilen wir ausdrücklich. Der größte Teil der mittelständischen Unternehmen arbeitet weiterhin mit bewährten ERP-Systemen, Branchensoftware, CAD-Anwendungen oder klassischen Windows-Programmen. Moderne Remote-Access-Lösungen müssen deshalb vorhandene Anwendungen sicher verfügbar machen – nicht den Kunden zu einer kompletten Migration zwingen.

Beeindruckende Technik ist nicht automatisch die beste Lösung

Der Test zeigt eindrucksvoll, welche Möglichkeiten Thinfinity Workspace bietet. Gateway, Primary Broker, Secondary Broker, Agenten, Cloud Manager sowie umfangreiche VDI-Funktionen ergeben eine äußerst leistungsfähige Plattform. Hinzu kommen zahlreiche Integrationen mit Hyper-V, VMware, Azure, AWS, Proxmox und weiteren Virtualisierungsplattformen.

Für große Enterprise-Umgebungen ist dieser Funktionsumfang zweifellos ein großer Vorteil.

Für viele kleine und mittlere Unternehmen stellt sich jedoch eine andere Frage:

Benötigen sie diese Komplexität überhaupt?

Genau hier unterscheiden sich Enterprise-Plattformen und speziell auf KMU zugeschnittene Lösungen. Während internationale Konzerne oft hunderte virtuelle Desktops, mehrere Rechenzentren und komplexe Cloud-Orchestrierung betreiben, benötigen die meisten mittelständischen Unternehmen vor allem eines: einen sicheren, schnellen und einfach administrierbaren Zugriff auf ihre bestehenden Systeme.

Gute Produkte dürfen auch Schwächen haben

Besonders positiv fällt auf, dass der IT-Administrator den Test sehr ausgewogen gestaltet. So werden neben den zahlreichen Stärken auch einige Einschränkungen genannt.

Bei hochauflösenden Displays und individuellen Windows-Skalierungen kommt es im HTML5-Client teilweise zu einer leicht unscharfen Darstellung. Für höchste Darstellungsqualität empfiehlt der Autor den nativen Windows-Client. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass dieser ausschließlich unter Microsoft Windows verfügbar ist.

Ebenso erhält die integrierte Multifaktor-Authentifizierung im Bewertungsteil nicht die Höchstwertung. Für komplexere MFA-Szenarien verweist der Test auf den optionalen Giritech Authenticator.

Gerade diese differenzierte Betrachtung macht den Test besonders glaubwürdig.

Was Unternehmen daraus mitnehmen sollten

Der wichtigste Erkenntnisgewinn aus diesem Test lautet aus unserer Sicht nicht, welches Produkt die meisten Funktionen besitzt. Entscheidend ist vielmehr, dass sich der Markt eindeutig in Richtung browserbasierter Zero-Trust-Architekturen entwickelt.

Clientlose Zugriffe, Reverse-Proxy-Konzepte, ausgehende Verbindungen aus den Zielnetzen, Multifaktor-Authentifizierung, Passkeys und eine konsequente Trennung zwischen Benutzer und Infrastruktur werden in den kommenden Jahren zum Standard gehören.

Unternehmen sollten deshalb weniger darüber nachdenken, welches VPN sie künftig einsetzen, sondern vielmehr, wie sie ihre Anwendungen langfristig sicher und einfach bereitstellen.

Unser Fazit

Der IT-Administrator bestätigt mit seinem Test eindrucksvoll, dass browserbasierte Remote-Access-Plattformen heute eine ernstzunehmende Alternative zu klassischen VPN-Lösungen darstellen. Thinfinity Workspace überzeugt insbesondere durch seine moderne Architektur, den großen Funktionsumfang und die hohe Skalierbarkeit.

Aus Sicht von Kyvion zeigt der Test aber noch etwas anderes: Nicht jedes Unternehmen benötigt eine hochkomplexe Enterprise-Plattform. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen profitieren häufig stärker von einer Lösung, die dieselben Sicherheitsprinzipien konsequent umsetzt, dabei jedoch einfacher zu installieren, leichter zu administrieren und schneller produktiv einsetzbar ist.

Denn moderne IT-Sicherheit entscheidet sich heute nicht allein an der Anzahl der Funktionen. Sie entscheidet sich daran, ob eine Lösung tatsächlich eingesetzt wird – und von Administratoren dauerhaft beherrschbar bleibt.

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