Das Ende des Passworts ist eine gute Nachricht
Microsoft hat angekündigt, Passkeys künftig zum Standard in Microsoft Entra ID zu machen. Viele Sicherheitsexperten sehen darin einen historischen Schritt, denn Passkeys gelten heute als eine der sichersten Methoden zur Anmeldung an Anwendungen und Online-Diensten. Während Passwörter gestohlen, erraten oder durch Phishing abgefangen werden können, arbeiten Passkeys mit moderner Kryptografie und bieten einen deutlich besseren Schutz gegen Angriffe.
Für Unternehmen ist diese Entwicklung grundsätzlich positiv. Die Zahl erfolgreicher Angriffe auf Benutzerkonten steigt seit Jahren an. Gestohlene Zugangsdaten gehören weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Sicherheitsvorfälle. Passkeys können dieses Risiko erheblich reduzieren und gleichzeitig die Benutzerfreundlichkeit verbessern.
Doch mit der Einführung von Passkeys stellt sich eine neue Frage: Werden Unternehmen dadurch unabhängiger – oder entsteht lediglich eine neue Form der Abhängigkeit?
Passkeys sind nicht das Problem
Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass Passkeys selbst eine offene Technologie sind. Der zugrunde liegende FIDO2-Standard wurde entwickelt, damit Benutzer sich sicher und ohne Passwort anmelden können. Ein Passkey kann auf einem Smartphone gespeichert werden, auf einem Notebook oder auf einem speziellen Sicherheitsschlüssel.
Die Technologie ist nicht an einen bestimmten Hersteller gebunden. Unternehmen können Passkeys nutzen, ohne ihre Daten oder Anwendungen in die Cloud zu verlagern. Genau hier liegt ein entscheidender Unterschied, der in vielen Diskussionen oft übersehen wird.
Passkeys sind ein Sicherheitsstandard. Die Frage ist nicht, ob Passkeys eingesetzt werden sollten, sondern wo die digitalen Identitäten verwaltet werden und wer die Kontrolle darüber besitzt.
Die neue Abhängigkeit entsteht häufig durch die Synchronisation
Die großen Technologieanbieter verfolgen das Ziel, Passkeys möglichst komfortabel nutzbar zu machen. Ein einmal eingerichteter Passkey soll automatisch auf Smartphone, Tablet und Notebook verfügbar sein. Dafür werden die Zugangsdaten häufig über die Cloud des jeweiligen Herstellers synchronisiert.
Für Privatpersonen ist dieser Komfort zweifellos attraktiv. Für Unternehmen stellt sich jedoch eine andere Frage. Wer kontrolliert die Identitäten? Wo werden die Schlüssel gespeichert? Und was passiert, wenn ein Unternehmen die Plattform wechseln möchte?
Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren erkannt, wie stark ihre Geschäftsprozesse bereits von einzelnen Cloud-Anbietern abhängig geworden sind. Die Diskussion um digitale Souveränität, Datenschutz und geopolitische Risiken gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung.
Passkeys lösen dieses Problem nicht automatisch. Sie können Teil einer souveränen Sicherheitsstrategie sein – müssen es aber nicht.
Digitale Souveränität wird zum Wettbewerbsfaktor
Gerade in Deutschland und Europa wächst das Interesse an Lösungen, die Sicherheit und Unabhängigkeit miteinander verbinden. Unternehmen möchten moderne Technologien nutzen, ohne dabei die Kontrolle über ihre Anwendungen, Daten und Identitäten zu verlieren.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur Behörden oder KRITIS-Betreiber. Auch mittelständische Unternehmen hinterfragen zunehmend, welche Systeme sie selbst kontrollieren und welche von externen Plattformen abhängig sind.
Die gute Nachricht lautet: Moderne Authentifizierung und digitale Souveränität schließen sich nicht aus. Im Gegenteil. Beide Ziele lassen sich sehr gut miteinander verbinden.
Hardware-Token bieten maximale Kontrolle
Eine besonders interessante Rolle spielen dabei FIDO2-Sicherheitsschlüssel wie der GoTrust IdemKey.
Im Gegensatz zu cloudbasierten Synchronisationslösungen verbleibt der private Schlüssel direkt auf dem Sicherheitsschlüssel. Unternehmen behalten die Kontrolle über die Authentifizierung und können gleichzeitig von den Vorteilen moderner Passkey-Technologie profitieren.
Gerade für gemeinsam genutzte Arbeitsplätze, Behörden, Industrieunternehmen oder regulierte Branchen bieten Hardware-Token erhebliche Vorteile. Die Identität bleibt eindeutig, sicher und unabhängig von Smartphones oder privaten Benutzerkonten.
Gleichzeitig unterstützen moderne FIDO2-Token zahlreiche Anwendungen und Identitätssysteme, darunter Microsoft Entra ID, ID Austria und viele weitere Plattformen.
Moderne Authentifizierung ist nur die halbe Miete
Selbst die beste Authentifizierung beantwortet noch nicht die Frage, wie Benutzer auf Anwendungen zugreifen.
Viele Unternehmen setzen nach wie vor auf klassische VPN-Lösungen, die vollständigen Netzwerkzugriff ermöglichen. Aus Sicht moderner Sicherheitskonzepte ist dieser Ansatz zunehmend problematisch. Benutzer benötigen in der Regel keinen Zugriff auf ganze Netzwerke, sondern lediglich auf die Anwendungen, die sie für ihre Arbeit benötigen.
Genau hier setzt Kyvion Secure Access an.
Mit Kyvion Secure Access können interne Anwendungen sicher über den Browser bereitgestellt werden, ohne VPN-Client, ohne offene Firewall-Ports und ohne direkte Netzwerkzugriffe. In Kombination mit Passkeys und modernen Identitätslösungen entsteht eine Sicherheitsarchitektur, die sowohl benutzerfreundlich als auch zukunftssicher ist.
Die Anwendung verbleibt im Unternehmen. Die Daten verbleiben im Unternehmen. Der Benutzer authentifiziert sich mit einem sicheren Passkey. Der Zugriff erfolgt gezielt auf die benötigte Anwendung.
Die Zukunft gehört sicheren und souveränen Identitäten
Die Einführung von Passkeys markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer passwortlosen Zukunft. Unternehmen sollten diesen Wandel aktiv nutzen und ihre Authentifizierungsstrategie modernisieren.
Gleichzeitig lohnt es sich, über die reine Anmeldung hinauszudenken. Sicherheit bedeutet heute nicht nur Schutz vor Cyberangriffen, sondern auch die Fähigkeit, die Kontrolle über eigene Daten, Anwendungen und Identitäten zu behalten.
Passkeys sind dabei ein wichtiger Baustein. Wirkliche digitale Souveränität entsteht jedoch erst dann, wenn moderne Authentifizierung mit unabhängigen Identitäten, sicheren Hardware-Token und kontrollierten Zugriffswegen kombiniert wird.
Unternehmen müssen sich daher nicht zwischen Sicherheit und Unabhängigkeit entscheiden. Mit den richtigen Technologien lassen sich beide Ziele gleichzeitig erreichen.